Interesse!

Explodiert einer Ihrer Mitarbeitenden seit kurzem wegen jeder Kleinigkeit? Und regen Sie sich als Führungskraft darüber auf? Vielleicht weil Sie sich wünschen, dass er einfach seine Arbeit verrichtet? Bevor Sie diesem Mitarbeiter gegenüber eine kaltschnäuzige Bemerkung fallen lassen, halten Sie kurz inne und fragen Sie sich: Warum hat er so reagiert? Wie geht es ihm als Mensch? Oder noch besser: Zeigen Sie Interesse und fragen Sie ihn persönlich, wie es ihm geht.

 

 

Viele Führungskräfte kennen zwar den Namen Ihrer Mitarbeitenden, nicht aber Ihre Persönlichkeiten. Sie gehen lieber auf Distanz, weil sie denken, dass zu viel Nähe unprofessionell sei und dem betrieblichen Klima schade. Jedoch: Das Gegenteil ist der Fall. Fragen wie: Wofür interessieren sich meine Mitarbeitenden in der Freizeit? Was sind ihre Hobbies? Was beschäftigt meine Mitarbeitenden – beruflich oder privat – gerade am meisten? können Führungskräfte oft nicht beantworten. Natürlich ist es für Führungskräfte eine Gratwanderung, das richtige Mass zwischen Nähe und Distanz zu finden. Und jede Führungskraft muss diesen Grat selber bestimmen. Aber Studien belegen, dass echtes Interesse gegenüber den Mitarbeitenden positive Emotionen fördert, was sich wiederum positiv auf das Arbeitsklima auswirkt und in einer besseren Leistung niederschlägt.

 

Warum positive Emotionen die Leistung steigern

 

Wir Menschen sind grundsätzlich Beziehungswesen. Beziehung bzw. Bindung ist für uns ein Grundbedürfnis (gemäss Professor Klaus Grawe), und zwar unabhängig von Religion, Herkunft und Ethnie. Bindung und Beziehung treiben uns an, lassen uns «aufblühen» und unser Potenzial entfalten, wie die Forschung im Wissenschaftszweig der Positiven Psychologie eindrücklich belegt.. Dabei geht es natürlich um positive, intakte Beziehungen, die unsere positiven Emotionen fördern und so einen Beitrag zu mehr Produktivität und mehr Output leisten. Das ist in verschiedenen Ländern mit Studien mit über einer Million Kindern und Jugendlichen in Schulen belegt worden. Die Resultate zeigen, wie sich positive Emotionen auch positiv auf die schulischen Leistungen auswirken – sogar in Zeiten, in denen positive Emotionen aufgrund äusserer Umstände vorübergehend in den Hintergrund treten.

 

 

Die Wechselwirkung zwischen positiven Emotionen und Output ist altersunabhängig. Intakte Beziehungen sind ein wichtiger Treibstoff für positive Emotionen. Das ist nicht nur für die Psyche relevant, sondern auch für den betrieblichen Erfolg. Gegenüber dem eingangs erwähnten, schlecht gelaunten Mitarbeiter könnten Sie echtes Interesse signalisieren. Ihn bei einer guten Gelegenheit ansprechen und fragen, wie es ihm gehe. So haben Sie als Führungskraft die Chance, dass er sich Ihnen gegenüber öffnet. Das ermöglicht Ihnen einen anderen Blick auf Ihren Mitarbeiter. Vielleicht bedrückt ihn eine Krankheit eines Familienangehörigen oder er steckt mitten in einer Scheidung etc. Möglicherweise haben Sie selber ähnliche Erfahrungen gemacht und können sich selber gegenüber dem Mitarbeiter öffnen. Oder Sie haben zumindest die Möglichkeit, ihm entsprechend Hand zu bieten. Das wirkt vertrauensbildend. Und: Mit Ihrem authentischen Interesse am Wohlergehen des Mitarbeiters drücken Sie auch eine Form von Wertschätzung aus.

 

 

Fazit und Handlungsmöglichkeiten

 

In der Praxis werden Beziehungen oft stiefmütterlich behandelt. Statt echtes Interesse an der Persönlichkeit des Mitarbeitenden stehen Fakten im Vordergrund.

 

 

Aber:

 

  • Führungskräfte, die sich bewusst und ehrlich dem Thema «Bindung und Beziehung» widmen, schaffen positive Emotionen, weil sie ein menschliches Urbedürfnis befriedigen.
  • Führungskräfte schaffen damit gute Voraussetzung für mehr unternehmerischen Erfolg und mehr Loyalität im Unternehmen.
  • Sie leisten einen Beitrag zur Mitarbeiterbindung, was gerade in Branchen mit Fachkräftemangel relevant sein kann (Retention Management)
  • Sie leisten einen Beitrag zu einer besseren Positionierung des Unternehmens im Arbeitsmarkt (Employer Branding).
  • Sie leisten einen Beitrag zur Gesundheitsförderung der Mitarbeitenden. Denn positive Emotionen führen zur Entwicklung von Optimismus, was nachweislich positive physische Effekte hat.
  • Führungskräfte, die sich um die Beziehung der Mitarbeitenden kümmern, bewirken also nur Vorteile: menschlich, gesundheitlich und unternehmerisch.

 

 

 

 

Impuls für Sie: Nehmen Sie unser Aprilthema als Anstoss darüber nachzudenken und zu prüfen, was Sie von Ihren Mitarbeitenden als Mensch wissen. Wie oft Sie Ihre Mitarbeiterin/Ihren Mitarbeiter fragen, wie es ihm oder ihr gehe? Wie viel Interesse Sie gegenüber Ihren Mitarbeitenden zeigen.

 

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