Aus Dir machen wir was!

So ehrenwert und wichtig das Thema Mitarbeiterförderung und Personalentwicklung auch ist, so häufig verursacht es leider mehr Rückschritt als echten Nutzen. Als Trainer und Coaches stellen wir häufig fest, dass Mitarbeiterförderung genutzt werden soll, sich die Mitarbeitenden so "herzurichten", dass Sie die Bedürfnisse des Unternehmens bzw. der Organisation möglichst gut erfüllen. Eine Palette von Anreizmöglichkeiten steht den Führungskräften dazu zur Verfügung. Der Hirnforscher Gerald Hüther bringt es aber auf den Punkt, wenn er sagt, es spiele keine Rolle, ob man Mitarbeitende bestrafe oder belohne. Aus der Sicht der Neurowissenschaft sei dies der gleiche Effekt. Was wäre dann aber die Alternative? Auf welcher Basis sollte dann Mitarbeiterförderung erfolgen? Aus der Persönlichkeitsforschung weiss man mittlerweile ziemlich genau, welche Facetten der Persönlichkeit eine hohe genetische Disposition aufweisen. Es lohnt sich, sich dazu einige Gedanken zu machen.

 

"Nun sei mal nicht so empfindlich!"

In einem Meeting mit Teamleitern hat uns kürzlich eine Teamleiterin erzählt, sie habe mit einem Mitarbeiter ein Soft-Ziel vereinbart. "Er soll nicht mehr so empfindlich auf Krititk reagieren" war die Idee des Ziels. Wie sensitiv ein Mensch aber auf positive oder negative Situationen reagiert, ist eine Facette der Persönlichkeit und genetisch quasi vordefiniert. Dieses Ziel ist also im Grundsatz wirkungslos und führt bestenfalls zu unnatürlichen Verhaltensweisen oder zu Frust, wenn es denn überhaupt eine Wirkung hat. Viel Spannender wäre die Frage, welche Möglichkeiten die betroffene Person hat, mit Ihrer Empfindlichkeit umzugehen.

 

"Komm ein mal ein bisschen aus dir heraus!"
In einer Schulung mit Abteilungsleitern beklagte sich ein Teilnehmer kürzlich über einen seiner Teamleiter. Dieser sei immer so introvertiert. Er solle doch mal ein bisschen an sich arbeiten, wollte der Abteilungsleiter bewirken. Doch auch die Frage, ob jemand introvertiert oder extrovertiert ist, ist eine genetisch vorbestimmte Facette der Persönlichkeit.

 

Was bedeutet eigentlich Mitarbeiterförderung?

Mitarbeiterförderung ist immer dann falsch und kontraproduktiv, wenn sie versucht, den Mitarbeiter so herzurichten, dass er "problemlos" ins Gefüge passt; man könnte das auch als "Dressur" bezeichnen. Vielmehr muss sich eine Führungskraft, die modern, wirkungsvoll und effizient führen will, folgende Gedanken zum Thema Mitarbeiterförderung machen:

 

  • Was kann meine Mitarbeiterin schon gut und wie könnte sie diese Fähigkeit noch mehr einsetzen?
  • Woran glaube ich bei meinem Mitarbeiter? Wo sehe ich ganz konkret Potenzial und wie kann ich das noch besser einsetzen?
  • Was muss ich als Führungskraft tun, damit meine Mitarbeiterin ihre Leistungsfähigkeit und ihr Potenzial nutzen kann?
  • Welche Kompetenzen und Fähigkeiten braucht mein Team in 5 Jahren, damit wir die Herausforderungen der Zukunft gut anpacken können? Welche dieser Fähigkeiten sind im Team schon vorhanden und was kann ich als Führungskraft tun, damit die Teammitglieder diese Fähigkeiten nutzen können?

 

Wer sich als Führungskraft diese Fragen stellt und danach handelt, schafft gute Rahmenbedingungen, damit sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter durch nutzen ihrer eigenen Ressourcen entwickeln können. Dass dadurch nicht nur die Veränderungsfähigkeit sondern auch die Veränderungsbereitschaft nachgewiesen steigt, ist doch ein wunderbarer "Nebeneffekt"...

 

 

 

 

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